Ijen – umwerfend in zweierlei Hinsicht.

Ijen

Nordküste Bali | Mount Ijen (Java)

Unser nächstes Ziel nach Canggu war der Norden Balis mit der Überlegung, den Nationalpark am nordwestlichen Zipfel Balis zu besuchen und bei der dort nahegelegenen Insel Menjangan schnorcheln zu gehen. Die gewählte Route führte uns einmal quer durch die Insel – eine großartige Entscheidung! Auch die kleineren Straßen haben eine ganz gute Qualität hier auf Bali und Andi hatte mit den ganzen Kurven und dem Hügel-rauf-Hügel-runter sichtlich Spaß (wie ihr euch vorstellen könnt) 🙂

In dem Hotel, wo wir schließlich untergekommen sind, haben wir ein paar junge Reisende (WIRKLICH jung!) getroffen und dabei auch unser Vorhaben diskutiert, den Nationalpark zu besuchen. Da sich dies aber als ziemlich teuer herausgestellte und uns vom blauen Feuer des Vulkans Ijen (aufgrund brennenden Schwefels) berichtet wurde, haben wir beschlossen umzudisponieren: Am nächsten Morgen machten wir uns auf den Weg nach Gilimanuk, um von dort aus mit der Fähre auf die Hauptinsel Java zu kommen und in der Nacht den Vulkan zu besteigen und die dortige Schwefelmine zu besichtigen. Wir haben nicht erwartet, dass dies das bis dato eindrucksvollste Erlebnis unserer bisherigen Reise werden würde.

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Man kann diese Tour auch offiziell buchen – ebenfalls recht teuer (schwankend zwischen 300.000 IDR und 1.000.000 IDR), weshalb wir beschlossen, es selbst zu organisieren. Wir sind also von Gilimanuk mit der Fähre nach Ketapang auf Java getingelt, was uns zusammen mit dem Scooter 52.000 IDR (24.000 für die Tickets + 27.000 für eine Cashcard, mit welcher man die Ticketzahlungen für die Fähren managen kann) gekostet hat.

Willkommen auf Java!

In Licin, einem kleinen Ort nahe des Vulkans, haben wir uns ein einfach ausgestattetes, billiges Hotelzimmerchen gebucht. Mehr Komfort ist da wirklich nicht notwendig, da man für diese Tour die ganze Nacht unterwegs ist, vor allem wenn man den Sonnenaufgang noch oben am Berg erleben möchte. Um Mitternacht haben wir uns dann auf den Weg gemacht, damit wir um 1 Uhr früh (wenn das Areal offiziell geöffnet wird ) dort zu sein und mit dem Aufstieg beginnen zu können. Empfehlenswert für den Trip: Lange Hose und ein Pulli/eine Jacke, denn es ist ordentlich frisch da oben in der Höhe von 2.799 Meter, noch dazu nachts.

Man fährt da aber erstmal mit dem Scooter hoch bis zum offiziellen Parkplatz. Hierbei ist auch gut zu wissen: Ein Scooter mit 125cc sollte Minimum sein für zwei Personen, da der Großteil der Straße tatsächlich bereits ziemlich steil ist. Wenn man noch dazu ein erfahrener Motorradfahrer wie Andi ist, hilft dies auf jeden Fall, um bei Mitternacht schmale, steile Straßen (bei denen man genug Schwung braucht) hochzukommen. Zwei Personen auf einem nur 110cc starken Scooter würden das wohl kaum schaffen.

Wenn man bis zum offiziellen Parkplatz gekommen angelangt ist, kann man dort Gasmasken (für 50.000 IDR pro Person – hier bitte absolut nicht sparen, auch wenn einem das seltsam vorkommt in diesem Moment…  die Gasmasken sind tatsächlich notwendig!) und Taschenlampen/Stirnlampen ausleihen. Das haben wir natürlich gemacht, Taschenlampen hatten wir selbst bereits mitgebracht. Beim Eingang erhält man das Ticket (100.000 IDR unter der Woche, 150.000 IDR an den Wochenenden) und dann kann man mit dem Aufstieg beginnen. Wenn man so wie wir bereits um 1 Uhr morgens dort ist, tut man dies gemeinsam mit den Arbeitern der Schwefelmine, welche um diese Zeit ihre Schicht beginnen. Während dem Aufstieg, welcher ca. 1,5-2 Stunden dauert und sich ebenfalls als teilweise bereits sehr steil und rutschig erwies, hatten wir also Gelegenheit, uns mit einem dieser Arbeiter zu unterhalten, was bereits sehr spannend war und uns einen ersten Einblick in deren Arbeitsalltag ermöglichte – ein Arbeitsalltag, mit welchem wir so nicht gerechnet hatten. Aber eins nach dem anderen, dazu kommen wir gleich noch.

Erstmal…

…muss man es bis oben auf den Vulkan schaffen. Kurz bevor man dort ankommt, beginnt man bereits den Schwefel zu riechen. Seltsames Gefühl. Ist man angekommen, kann man mit dem Abstieg in den Krater hinein zur Schwefelmine beginnen – sofern der Wind richtig steht. Nicht vergessen, es ist immer noch stockdunkel, man muss also auch hier unglaublich vorsichtig sein und sollte schließlich daran denken, die Gasmaske aufzusetzen. Der Schwefelgeruch wird einen aber daran erinnern!

Wie man an den unten folgenden Fotos sehen kann: Wir haben es bis zur Schwefelmine geschafft (obwohl während dem Abstieg in den Krater der Wind einmal gedreht hatte und wir dachten umdrehen zu müssen… glücklicherweise hatte es sich der Wind dann doch wieder anders überlegt) und wir haben auch das blaue Feuer gesehen. ABER: Wir haben auch erfahren, mit welchen unglaublich harten Bedingungen die Minenarbeiter dort jeden Tag leben müssen.

Ein Arbeiter trägt 50-70kg mit Schwefelgestein auf seinen Schultern (ein Korb links, ein Korb rechts, verbunden durch eine Stange) den Krater hoch, bis zu 5 mal in einer Schicht, denselben steilen und steinigen Weg, den ich mit kleinen Trippelschritten nur bewältigen konnte. Viele von ihnen haben keine Gasmaske, sondern stopfen sich stattdessen einfach nur ein Tuch in den Mund. Rundherum hört man sie ständig husten. Es gibt weder die Möglichkeit auf Krankenstand noch Urlaub. Eventuell können sie mal einen Tag frei pro Woche haben, aber die meisten arbeiten durchgehend.

Nachteile des Tourismus klar vor Augen geführt

Die Touristen, welche nach und nach mehr werden, wenn die Nacht sich langsam dem Ende neigt, blockieren den Arbeitern immer wieder den Weg, während sie den Schwefel rauftragen. Um den Touristen trotzdem das erwartete Erlebnis zu verschaffen, haben wir gesehen, dass sie den Schwefel extra mit einer leicht entzündlichen Flüssigkeit zum Brennen gebracht haben, was schließlich in dem blauen Feuer resultierte. Das hat für sie oder deren Arbeit grundsätzlich natürlich keinerlei Sinn (außer, dass die Touristen zufriedener sind und ihnen vielleicht noch eher so kleine Figuren aus Schwefelgestein abkaufen, welche manche von ihnen mithaben). Sie helfen also nach, nachdem es beispielsweise sehr viel geregnet hat und sich der Schwefel daher nicht ganz so leicht von selbst entzündet. Wir standen also dort am Ende des Kraters neben dieser Schwefelmine, mit den Gasmasken im Gesicht, sprachlos über das, was wir erlebten, was wir sahen und mit einem zunehmend beklemmenden Gefühl in der Magengegend.

Bei unserem Aufstieg den Krater hoch wollte Andi einem der Minenarbeiter (im Alter von 54 (!) Jahren; ein Alter, welches dort bereits viele Arbeiter haben) helfen und hat ihm die Körbe abgenommen, um sie ein Stück des Weges für ihn hochzutragen. Wer Andi kennt, weiß, dass er durchaus sehr gut darin ist schwere Dinge zu tragen (man erinnere sich an die Drehbank, die er gemeinsam mit einem Freund in den dritten Stock unserer Wiener Altbauwohnung hochgetragen hat!), aber unter diesen Bedingungen musste auch er nach einigen Metern aufgeben. Die Schwere der Körbe, der ständige Schwefeldunst, der steinige steile Weg, welchen die Arbeiter scheinbar in- und auswendig kennen. Das einzige, wie man ihnen tatsächlich helfen kann, ist respektvoll und freundlich zu sein, ihnen den Weg freizumachen und ihnen Wasser zu geben. Dafür sind sie sehr dankbar. Alle Wasserflaschen, die wir mithatten, haben wir im Laufe unseres Aufstiegs hergegeben.

Diese Männer zu sehen, wie sie tagtäglich unter diesen furchtbaren Bedingungen ihre Arbeit verrichten um davon leben zu können, hat uns tief im Herzen berührt. Denn wir leben doch im 21. Jahrhundert, haben unendlich viele technologische Möglichkeiten heutzutage, um solche Arbeitsbedingung deutlich zu erleichtern. Wir entwickeln AI – schaffen es aber nicht, einen simplen Seilzug in den Krater zu bauen? Darin will man scheinbar einfach nicht investieren. Die Arbeiter sind schließlich billiger.

Als wir schließlich wieder oben am Krater angekommen sind und die letzten paar Stunden auf den Sonnenaufgang gewartet haben, haben wir kaum miteinander gesprochen und waren offensichtlich in unseren Gedanken versunken. Wir waren wirklich sprachlos über das, was wir gesehen und erlebt hatten. Der Ausblick von der Spitze des Vulkans war schließlich atemberaubend (vor allem auch, da im Sonnenlicht der mit Schwefelsäure angereicherte See im Krater (Kawah Ijen) sichtbar wurde, welcher daher eine sehr eindrucksvolle Farbe aufwies), aber wir haben Ijen in den frühen Morgenstunden mit wahrlich gemischten Gefühlen verlassen…

blue fire in the crater of vulcano Ijen
Das berühmte blaue Feuer im Krater des Vulkans Ijen.
Mount Ijen
Aussicht im Morgengrauen.
Mount Ijen and the sulfur mine
In Gedanken versunken.
Kawah Ijen
Die Schwefelmine (zu erkennen an den starken Schwefeldämpfen) direkt am See (Kawah Ijen) im Krater des Vulkans.
filming the sunrise on Mount Ijen
Sprachlos.
around the crater of vulcano Ijen
Am Krater des Vulkans.

Kommentare

  1. Pingback: Ein absolutes (Motorrad-)Highlight: die Berglandschaft rund um den Vulkan Rinjani. - AM Travel | Blog

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