Eine Fähren-Organisations-Leidensgeschichte, oder: „Ich kann wieder Land sehen!“

on the ferry

Labuan Bajo | Bira

Die Überfahrt von Flores nach Sulawesi zu organisieren stellte sich als gar nicht mal so einfach heraus. Man muss fast schimpfen, es ist so typisch für Indonesien: Man bekommt mindestens drei völlig unterschiedliche Informationen, die Orte an die man angeblich muss, befinden sich in gänzlich unterschiedlichen Richtungen und nicht mal die offiziellen Angestellten am Hafen können Auskunft über die Fährenfahrpläne geben.

Übrigens: Im Internet nachschauen bringt auch nix. Beispielsweise sind die Fahrpläne gleich mal unterschiedlich, je nachdem, ob man sie sich auf Indonesisch oder Englisch anzeigen lässt. True story.

Es hat uns also durchaus einiges an Zeit und Nerven gekostet und wir waren bis zum Schluss nicht sicher, ob denn die Fähre nun gehen würde und wir Tickets bekommen, bis wir den ersten Fuß (oder eben Chubbies Vorderrad) auf jene gesetzt haben.

Achja, und noch ein Klassiker ist in diesem ganzen Chaos passiert: Einen Tag vor unserer Abfahrt haben wir uns einen Nagel im Hinterreifen eingefahren. Also ein Platter. So kurz vor dem geplanten Reifenwechsel auf Sulawesi. Na prima. Eine kleine Werkstatt war Gott sei Dank nicht weit entfernt, dort wurde das geflickt. Puh!

nail
we have to fix the tire
tire fixing

Mehrere Möglichkeiten

Soweit also wieder gut, zurück zum Fähren-Thema:

Scheinbar gibt es zwei Unternehmen, welche Fähren auf der Strecke führen: Pelni und ASDP. Beide Unternehmen sind staatlich und erstere würde sogar zwei bis dreimal die Woche fahren, befördert allerdings vorwiegend nur Personen, weshalb eine Mitnahme Chubbies sehr, sehr teuer gewesen wäre. ASDP ist die Fährenorganisation, die wir auch bisher genutzt haben, mit klassischen Aufofähren, fährt allerdings diese Strecke nur einmal pro Woche. Der Preisvergleich: Pelni – 323.000 IDR für uns beide und 1,5 Mio. IDR (!) für Chubby, das macht insgesamt ca. 107 Euro; ASDP – 350.000 IDR für Chubby und uns zusammen, also insgesamt knapp 21 Euro; Müssen wir dazu noch mehr sagen? 😉

Pelni wäre zwar direkt nach Makassar, also die Hauptstadt von Sulawesi im Südwesen der Insel, gefahren, ASDP allerdings fährt Bira an, was zwar ebenfalls im Süden, allerdings nochmal ca. 200 km weiter südöstlich, liegt. Aber mit Chubby ist das ja das geringste Problem, dann bekommen wir noch mehr von Südsulawesi zu sehen.

Desweiteren fanden wir heraus, dass Pelni einen PCR-Test verlangt, ASDP wiederum nur einen Health Check. Ein solches Dokument scheinbar, welches wir in Sape notgedrungen organisiert haben.

Health Check auf Indonesisch

Dazu mussten wir ins „Öffentliche Gesundheitszentrum“ (indon.: puskesmas) von Labuan Bajo. Gut, das war leicht zu finden. Nach einer Weile warten wurden wir also in ein kleines Untersuchungszimmer gerufen. Wir erwarteten das scheinbar übliche Prozedere: Größe, Gewicht und Temperatur messen und das Abklappern des Symptom-Fragenkatalogs. Hm, nö. Man wollte einfach nur von uns wissen, wo wir hinwollen und mit welcher Fähre wir fahren möchten. Der Rest der Daten wurde einfach vom vorherigen Bescheid übernommen. Mercedes konnte ihren Augen kaum glauben, dass dies tatsächlich so läuft. Übrigens, wir waren dabei keine Ausnahme – auch bei den locals wird das so gemacht und erscheint als ausreichend gültig.

at the official governmental health center

Nochmal eine kurze Warterei später erhalten wir vom Büro einen neuen Wisch. Gekostet hat uns das ganze erneut 15.000 IDR (also ca. 80 cent) pro Nase. Ooookey. Was sollen wir sagen. Man kann nur mit den Schultern zucken.

Fun fact: Nicht nur, dass die Daten einfach abgeschrieben wurden – sie wurden bei Mercedes auch noch FALSCH abgeschrieben. Sie ist nun also 1 Jahr älter und 30 kg schwerer. Oh Mann.

Jetzt aber: Wann geht’s denn nun los?

Nachdem sich die Informationen verdichtet hatten auf Abfahrt der Fähre mittwochs um 13 Uhr, gab es noch Gerüchte, dass nicht ein Uhr mittag, sondern ein Uhr Nacht gemeint ist. Na da hätten wir lustig dreingeguckt. Aber die Mehrheit der Infos sagte nun mal doch 13 Uhr, somit machten wir uns am Mittwoch auf den Weg zum Hafen, bekamen endlich unsere Tickets dort um 11 Uhr (die Tage davor waren diese nämlich noch nicht erhältlich) und um halb eins konnten wir schließlich auf die Fähre fahren. Juhu!

tickets for the ferry
tieded-up-Chubby
professionally fixed

Was wir dachten, was uns bevorsteht: Eine 18-stündige Fährenfahrt mit kurzem, unauffälligen Zwischenstopp in der Nacht.

Was uns tatsächlich erwartete: Eine 24-stündige Fährenfahrt, inklusive Karaokeeinlage am Abend und lautstarker Essensverkauf beim nächtlichen Zwischenstopp um 4 Uhr morgens.

sunset on the ferry

Aber: Diese Fähre war nicht mal halbvoll. Wir hatten somit genug Platz bei den Liegeplätzen, um zwischendurch auch an ein bisschen Schlaf zu kommen, ohne uns eine teure Kabine mieten zu müssen (60 Euro!). Wir bekamen sogar zwei dünne Matten, was es zumindest ein bisschen bequemer machte.

sleepy

Nun ja. Diese öffentlichen Fähren sind aus gutem Grunde nicht bekannt für Sauberkeit oder Komfort. Überall wird geraucht und gegessen, das mit dem Müll hat man hier natürlich auch nicht so drauf… aber im Großen und Ganzen verlief die Überfahrt unspektakulär und ruhig.

Und es gab Blumen auf der Fähre…

on the deck of the ferry

„Ich zeige Ihnen Blumen!“

flowers!

Im Nichts

Während wir also die restliche Zeit im Tageslicht erdnussknabbernd auf dem oberen Deck an der frischen Luft verbrachten und die Flugfische beobachteten, konnten wir in der Ferne auch Regen sichten. Sieht übrigens sehr beeindruckend aus, so am offenen Meer. Aber es gab kaum Wellen, die See war äußert ruhig. Auch, als frühmorgens ein Blitz neben uns auf der Wasseroberfläche einschlug und uns gleich mal kerzengerade aus dem Schlaf riss, der Regen an die Fährenfenster klopfte – das Meer selbst blieb ziemlich unbeeindruckt.

rain or no rain

Nach 24 Stunden finally – halloooo neue Insel, halloooo Bira, halloooo Sulawesi!

Wichtigster Tipp: Zeit!

Die wichtigste Konklusio aus der gesamten Fährenerfahrung bisher: Plane genügend Zeit ein für organisatorisches vorab! Die Infos sind hier oft so ambivalent, man schickt einen von A nach B nach X nach B (du erinnerst dich an den Asterix-Film mit dem Passagierschein A38? …IT’S LIKE THAT!) und man braucht Geduld und Flexibilität. Wirklich.

Und auch, was die Fahrt selbst betrifft: Zeitpläne sind seeeehr relativ…

Wenn man das allerdings weiß und sich darauf einstellt, ist das Reisen zwischen den Inseln eine sehr günstige Variante und vor allem mit dem Motorrad super easy 🙂

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